St. Michaels Kapelle

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An der Stelle wo heute die Godesburg steht, war in altgermanischer Zeit eine dem Wodan geweihte Opferstätte. Mit der Einführung des Christentum wurde aus dieser heidnischen Opfer eine dem hl. Erzengel Michael geweihte Kapelle. Um nun auf der Spitze des Berges die Burg bauen zu können, wurde 1210 die heilige Stätte des St. Michael abgetragen und
außerhalb der damaligen Burganlage neu errichtet.

Sie ist erst durch Erzbischof Walram von Jülich (1332-1349) in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts durch den Bau der Vorburg in diesen Schutzbereich gekommen. Auch dieser Bau ist nicht erhalten.
Denn 1583 wurde die Burg belagert und die Besatzung der Burg hat
das Dach der Michaels Kapelle abgebrochen und dieselbe bis ans Dachsims mit Schutt ausgefüllt und als Bastion mit Batterie umgestaltet. Die romanische Kapelle hatte die Erstürmung der  Burganlage wohl nicht überstanden, obwohl der Angriff von der
anderen Seite erfolgte.
 

 


 

 
 

Zeichnung: Heinz Fischer
Masse: 8,40 m breit und 20,00 m lang

Farben der Mauern:
dunkel = 1210,
hell gepunktet = 14. Jahrhundert,
gestreift = 17.Jahrhundert

( Entnommen Godesberger Heimatblätter Ausgabe 12
 aus dem Jahr1974 Archäologische Befunde zur Geschichte
der Godesburg von Heinz Fischer)


 Dieser Ausschnitt aus aus einem Stahlstich von Peter Beckenkamp (1791)  zeigt die Lage der Michaels Kapelle und des Kapitelhauses
unterhalb der Godesburg

 

Dennoch wurde die Kapelle unter Verwendung einiger Mauerreste an alter Stelle, vermutlich größer, erst 1660 wiederaufgebaut
und für Gottesdienste hergerichtet. Der Rüngsdorfer Geistliche Wilhelm Birckmann ließ sie 1660 unter finanzieller Mithilfe der Godesberger Einwohner wieder herrichten.

Links neben der Kapelle befindet sich die Sakristei. Sie wurde  zwischen Kapelle und der Vorburgmauer eingefügt.

Danach nahm sich im Jahre 1696 Kurfürst Josef Clemens von Wittelsbach, ein kunst- und prachtliebender Fürst, sich der Kapelle auf dem Godesberg an stellte sie in ihrer heutigen Beschaffenheit  her. Die feierliche Einweihung der Kapelle fand 1699 statt.
Und er hat auch die heute noch erhaltene Eremitage neben der Kapelle errichten lassen.
Es wurde ein Ritterorden zum hl. Michael gegründet
und als dessen Oratorium die neu hergestellte Kapelle bestimmt.
(Ursprünglich die lateinische Bezeichnung für das deutsche Wort Kapelle im Sinne von "Bethaus, -saal")

In der Nähe der Michaels Kapelle war das Kapitelhaus. Dieses wurde zusammen mit der Kapelle als Versammlungsstätte 
für die religiösen Feiern des Michaelsordens genutzt.
1788 wurde das Kapitelhaus aufgegeben und vor 1804 abgetragen.


In der Folgezeit diente das Gotteshaus als Gebetsstätte für die Godesberger Bürger.

Clemens August I. von Bayern, von 1723 bis 1761 Fürsterzbischof von Köln, verlegte das Oratorium des Michaelsordens von Godesberg nach Bonn, wodurch die Michaels Kapelle in Godesberg an Bedeutung verlor.
In seinem Residenzschloss in Bonn, dem heutigen Universitätshauptgebäude, richtete er über dem eigens dafür errichteten Koblenzer Tor prachtvoll ausgestattete Räumlichkeiten für den Michaelsorden ein, die dann im Jahr 1777 einem Brand zum Opfer fielen.

Mit der Loslösung Godesbergs von der jahrhundertealten Zugehörigkeit zur Pfarrei Rüngsdorf im Jahr 1804 wurde die Michaels Kapelle zur Pfarrkirche des Ortes Godesberg. Zu dieser Zeit erhielt die Kapelle ein Taufbecken und eine Orgel.

Schnelles Bevölkerungswachstum und der beschwerliche Weg zur Michaels Kapelle auf dem Godesberg führten zum Bau einer neuen Pfarrkirche am Fuße des Berges. So fand am 5. Oktober 1862 die Einweihung der neuen, größeren Pfarrkirche St.Marien statt. In der Folgezeit entfernte man in der Michaels Kapelle die barocke Kanzel, das Taufbecken und die Empore. Die Michaels Kapelle wurde fortan als Friedhofskapelle für den nahen Burgfriedhof und als Station während der Karfreitagsprozession genutzt.

 

 
 

Beschreibendes:

Treten wir durch das Portal ein so erblicken wir die Stuckaturen und die Freskenmalereien.
In der Nische des Hochaltares das Bild des hl. Erzengel Michael in der Hand ein flammendes Schwert und den Fuß auf den Drachen setzend. Auf der einen Seite der Bischof Laurentius im vollen Ornat und auf der anderen Seite einen Hirten mit einem Stier im Hintergrund


 

 
  Den Abschluss des Hauptaltares nach oben bildet ein Strahlenkranz zwischen zwei Engelsfiguren mit einer weiteren Michaelsstatue. In den heute leeren Nischen des Tabernakels standen St. Josef und St. Clemens als Namenpatrone des Kurfürsten, der diesen Altar aufstellen ließ.

An der Decke befinden sich Medaillons mit 4 weiblichen Gestalten als Vertreter der 4 Haupttugenden, Beharrlichkeit, Gottesfurcht, Stärke und Kraft, Treue. Jeder Ritter der Bruderschaft sollte sich diese Tugenden vor Augen halten.

 

 
 


Eine barocke Kommunionsbank aus Holz trägt auf der Türe nochmals das kurfürstliche Wappen.

 

 
 

Verkündigung Mariens, auf dem linken Seitenaltar.
Er ist dem Erzengel Gabriel geweiht.

Reise des Tobias, auf dem rechten Seitenaltar.
Er ist dem Erzengel Raphael geweiht.

 
 

Ausschnitt oben linker Altar



Ausschnitt oben rechter Altar

 

 
   
 

Der Übergang von den Seitenaltären zur Decke führt zu dem Wappen des Kurfürsten Josef Clemens. Einen größeren Gemäldezyklus enthalt das mit Stuckaturen reich verzierte Tonnengewölbe des Kirchenschiff.
 

 
 



Die Gemälde an der Decke beziehen sich auf das Fortleben der Seele nach dem Tode

 
 



Anbetung des hl. Sakraments durch die Engel

Krönung Marias durch die Engel

 
 


Überführung der Seele ins Fegfeuer


 

 
 
Der Kerzenleuchter in seiner barocken Form stammt vielleicht
aus der Erbauungszeit der Kapelle.

Die Apostelkreuze haben an den vier Balkenendungen im Sinne der Michaelsbruderschaft die vier Buchstaben FFPP

(Fidelitas=Treue, Fortitudo= Standhaftigkeit, Pietas= Frömmigkeit und Perseverantia=Beharrlichkeit)

 
   

Neben der Michaels Kapelle befindet sich die "Eremitage St. Michael" (siehe auch Plan am Anfang). Das kleine Haus mit Vorgarten zwischen Kapelle und Vorburgmauer mit einem Innenhof diente Eremiten, die nach der Regel heiligen Antonius hier lebten, als Wohnung. Die Eremitage wurde von Kurfürst Josef-Clemens 1697 zur Betreuung der Kapelle eingerichtet und bestand bis 1800. Seitdem vergibt die Pfarrgemeinde die Wohnung und verpflichtet den Inhaber zur Pflege der Kapelle.
 

 
   
 


Ostseite der Kapelle

 
 

In den Jahren 1894-96 und 1955 wurde die Kapelle renoviert und bildet mit dem barocken Innenraum einen
Kontrast zum schlichten Äußeren der Kapelle. Heute finden gelegentlich Gottesdienste und Trauungen in der Michaels Kapelle statt.

Ein Förderverein wurde im Dezember 2009 gegründet um die Erhaltung der Kapelle zu sichern. Die Kapelle ist mit ihrer herrlichen barocken Innenausstattung  das heute im Rheinland einzig verbliebene Bauwerk dieser Zeit.
An der Michael Kapelle ist Gefahr im Verzug, den besonders Feuchtigkeitsschäden im unteren Bereich des Mauerwerks und Undichtigkeiten im Dach stellen Probleme dar.

Als Erstes wurde nun das Fundament gesichert.

 

Stand am 10.2.2010 und 14.3.2010
 

 
 


Rechtzeitig vor Ostern 2010 wurden die Bauarbeiten am Fundament erfolgreich beendet.

 
   


Blick aus der Michaels Kapelle zur Burg hin.

Fotos: Walter Voigt

 
 

© 2010

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