Erstellt am:31.5.10

800 Jahre Godesburg

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Mit  der Godesburg, der nördlichsten Höhenburg des Rheintales, startet unser  virtueller Rundgang..


Zeichnung des Godesburg-Modells: Heinz Fischer


Stahlstich von Merian 1646 (Die Abbildung wurde in der Höhe reduziert) Original, mehr>>


 

Ansicht der unzerstörten Godesburg auf einen Kirchenfenster im Kloster Ehrenstein bei Neustadt an der Wied, mehr>>


Die Godesburg befindet sich auf der Kuppe des 121 m hohen Basaltkegel 60 m oberhalb des Rheintales

 

Schon in der Steinzeit war die Kuppe des Berges vermutlich Fluchtburg. Im letzten Jahrhundert v. Chr. mischten sich vermutlich die Germanen unter die Kelten. 


Ende des 16. Jahrhunderts fand man einen in die Godesburg eingemauerten römischen Altarstein. Dieser wurde durch einen römischen Offizier gestiftet, der gegen Ende des 2. Jahrhunderts n.Chr. Kommandeur der Bonner Legion war.

Dieser Legionskommandeur Q. Venidius Rufus, der so sehr auf das heilsame Godesberger Wasser schwor, dass er dem göttlichen Paar Aesculap und Hygieia - die Dame gab übrigens der Hygiene ihren Namen -in der Nähe der Quelle diesen Weihestein errichten ließ, der dann im Mittelalter beim Bau der Godesburg Verwendung fand.

Das Original befindet sich im Landesmuseum. Diese Nachbildung aus des Jahre 1981 wurde gestiftet vom Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V. auf Anregung von Dr. Walter Haentjes
 

Bereits im 8. und 9. Jahrhundert bestattete die fränkische Bevölkerung ihre Toten auf der Kuppe des Berges. Beim Umbau der Burg 1959-1961 wurden dort fränkische  Begräbnisstätten gefunden.

 

Im 13. Jahrhundert erkannte der Kölner Kurfürst  den strategischen Wert des Godesbergs vor dem Hintergrunde des Thronstreits zwischen den Herrscherfamilien der Staufer und der Welfen und er begann im Jahre 1210, zur Sicherung der Südgrenze des Erzstifts die Godesburg, das heutige Wahrzeichen der Stadt errichten.
 


Römische Mauerreste unter dem Burgturm





Übersichtsmodell der Godesburg
Braun und Grau = gefundene Fundamente
Blau= fränkisches Gräberfeld
Rot= Fundament eines römischen Wachturms (Limes ?)
 

 

Der Originalgrundstein befindet sich im Rheinischen
Landesmuseum in Bonn.
Text des hier abgebildeten Grundsteins:

"Im Jahre des Herren 1210 ist Godesberg begründet worden von Bischof Dietrich am Tage der Märtyrer"

Die Platte ist 2cm dick und hat das Format 24x15cm. Sie ist wohl als Gedenktafel der Gründung zu bezeichnen. Da sie fast keine Verwitterungsspuren zeigt, wird sie nicht an einer Außenwand befestigt gewesen sein.

 



Die Grundsteinlegung für die Godesburg erfolgte am 15.10.1210 durch den Erzbischof Dietrich I. von Hengebach.
(1208-1212)
 (Zahlen in den Klammern = Zeit als Erzbischof)
 


Die ersten fünf Geschosse des Bergfrieds und der Palas entstanden erst 1244 unter Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238-1261). In dieser Zeit wurden auch die Städte Bonn und Ahrweiler mit Mauern und Türmen versehen.
 


In der Regierungszeit von Erzbischof Siegfried von Westerburg (1275-1297) erlebte die Burg eine fünfwöchige erfolglose Belagerung durch die Truppen des Grafen von Berg.


Zeichnung des Turminneren: Heinz Fischer


Eine Turmhaube, die eine kleine Wachstube beherbergte,
gab dem Bergfried eine Höhe von 40 Metern.



Erzbischof Heinrich von Virneburg (1304-1332) ließ den Zwinger um die Burg erbauen.

Erzbischof Walram von Jülich (1332-1349) vergrößerte 1340 die Befestigungsanlage mit einer Vorburg, erweiterte den Palas, und der Turm wurde um die Hälfte auf 32 m erhöht. 

Sie wird in den Jahrhunderten bis zur Zerstörung 1583 bevorzugter Sitz der landesherrlichen Verwaltung und
Kurkölnisches Amt Godesberg, mehr>>

Die mittelalterlichen Fürsten hatten keine zentrale Residenz sondern reisten innerhalb ihres Gebietes, je nach politischer Gegebenheit, von einer Burg zur nächsten.

Die Godesburg war nicht nur Festung und Gefängnis.
In den 3 m dicken Mauern des Turmes wurde zeitweise das Archiv des Erzbistums untergebracht. Sie war bei Anwesenheit des jeweiligen Landesherren der repräsentative Mittelpunkt des Kölner Landes.

 

Legende der Burgübersicht:
Diese Übersicht über die Burganlage wurde bei den Umbaumaßnahmen in den Jahren 1959 - 1961 in den Beton des heutigen Godesburg-Restaurant gegossen. (Dort befindet sich auch die obige Übersicht mit den Ausgrabungen)

Links das Gelände der Vorburg.
Beginnend unten mit dem Zugang und dem Stumpfen Turm, dann folgt links das Kapitelhaus. Oben ist dann die Michaels Kapelle  und die Eremitage.

Über einen steilen Aufstieg gelangte man in den Zwinger der Burg. Von dort aus ging es durch den Torbau in den Innenhof der Burg. In der Mitte befindet sich der Bergfried. Beginnend mit dem Torbau waren dann im Uhrzeigersinn der Palas, (mit den Ausmaßen vom 9 x 28 Metern eine repräsentative Halle) die Sylvesterkapelle, der Kammerbau und die verschiedenen Wirtschaftsgebäude. In der rechten unteren Ecke (mit gelber Farbe markiert) sind die bei der Burgsprengung zerstörten Teile der Godesburg.

 


Am 24.4.2010 wurde ein Bronzemodell, geschaffen von Friedemann Sander, gestiftet von Mitgliedern des Vereins für Heimatpflege und Geschichte Bad Godesberg e.V., feierlich auf der Godesburg der Öffentlichkeit übergeben.

Weitere Bilder des Bronzemodells und Stifterliste, mehr>

 


Modell der Godesburg vor der Zerstörung (Südostseite) Es steht im Winter auf dem Nikolausmarkt in Bad Godesberg)
(Gebäude im unzerstörten Zustand um 1500. Wurde als Dekorationsstück für die am 29.8.1969 erfolgte Eröffnung der
Godesberger Niederlassung des Kaufhauses Hertie erstellt)


Warum wurde nun die Godesburg zerstört?

 

Gebhard von Waldburg-Trauchburg, Truchsess von Waldburg, (* 10. November 1547 in Heiligenberg; † 31. Mai 1601 in Straßburg) war Kurfürst und Erzbischof von Köln (1577-1583). Er war ein Mitglied des schwäbischen Adelsgeschlechtes Haus Waldburg. Text aus Wikipedia

 Er wurde am 5. Dezember 1577 in Köln mit 12/10 Stimmen gegen Ernst von Bayern zum Erzbischof gewählt. Die päpstliche Bestätigung seiner Wahl erhielt er am 29. März 1580. Am 19. Dezember 1582 sagte sich Gebhard öffentlich von der katholischen Kirche los und verkündigte die Glaubensfreiheit. Mit der protestantischen Agnes von Mansfeld, Stiftsdame im Stift Gerresheim, unterhielt Gebhard seit ca. 1579 ein Liebesverhältnis und heiratete sie am 2. Februar 1583 in Bonn.
Daraufhin wurde er am 1. April 1583 von Papst Gregor XIII. exkommuniziert. Das Domkapitel wählte am 23. Mai 1583 den Jesuitenzögling Ernst von Bayern zum Gegen-Erzbischof von Köln und sicherte dadurch bayerisch-spanische Truppenunterstützung sowie die katholische Mehrheit im Kurfürstenkollegium. Gebhard mobilisierte seine Truppen und erhielt kurpfälzische Hilfe durch Pfalzgraf Johann Kasimir.
 


Es kam zum Kölner Krieg (1583-1588), auch truchsessischer Krieg genannt, der für Gebhard ungünstig verlief.
Dieser Krieg zog große Teile des Rheinlandes in Mitleidenschaft.  Am 18. November 1583 begann die Belagerung der Godesburg in der sich Anhänger Gebhards verschanzt hatten.
Nach erfolgloser Beschießung und Erstürmungsversuchen wurde ein Tunnel unter die Befestigungsanlagen der Burg gegraben.

Am 17.Dezember 1583 wurde dann die  Südostseite der Godesburg mit  1500 Pfund Pulver gesprengt. 

 



 

 

 

 

Vermutlich wurde der Kammerbau auf der linken Seite zusammen mit dem Erkerbau der Sylvesterkapelle zerstört. Nach alten Beschreibungen soll es jedoch nur gelungen sein mit Leitern über das geheime Gemach (Plumpsklo links) in die Burg zu gelangen.

 

 

 

 

Vergrößerung, mehr>>
 

Nach dem Fall der Godesburg war der Kampf zugunsten des neuen Erzbischofs Ernst von Bayern entschieden.

Im Rheinland kam es in der Folgezeit zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen (Truchsessischer Krieg) zwischen den Anhängern Gebhards und den mit ihm verbündeten kurpfälzischen Truppen auf der einen sowie bayerischen und spanischen Truppen auf der anderen Seite, die formell vom Kölner Domkapitel zu Hilfe gerufen worden waren, nachdem dieses am 23. Mai 1583 Ernst von Bayern zum Erzbischof von Köln und Nachfolger Gebhards gewählt hatte.

Gebhard floh in das kurkölnische Westfalen, nach Werl in das dortige kurfürstliche Schloss. In den Wirren des  es wurde die Einrichtung der Werler Pfarrkirche St. Walburga zerstört. 
Gebhard ging dann, durch Wilhelm von Oranien vermittelt, nach Den Haag in den Niederlanden und setzte den Krieg mit niederländischen Truppen fort, die am 23. Dezember 1587 Bonn eroberten und verwüsteten.

Gebhard gab 1589 den Kampf auf, siedelte nach Straßburg über, wurde protestantischer Domdechant am Hof von Herzog Friedrich von Württemberg. Er starb 1601 in Straßburg und wurde im Straßburger Münster beigesetzt
.
Köln blieb katholisch und Frau Erzbischof beschloss ihr Leben als verwitwete Frau Domdechant.
 
Das treukatholische Haus Wittelsbach hat seine Residenz in Bonn  mit beachtlichen Bauten ausgestattet, die Godesburg blieb jedoch Ruine.

Nach der Zerstörung der Godesburg wurde diese nicht nur durch Witterungseinflüsse sondern auch durch die Ereignisse der nächsten 300 Jahre beeinträchtigt. Die Kriege des 17. Jahrhundert führten dann zur weiteren Zerstörung der Burg.
Die Bevölkerung benutzte die aufgelassene Burg als billigen Steinbruch.

Von den rechtmäßigen Besitzern der Burgruine, den Kölnern Kurfürsten, kümmerte sich Josef-Clemens (1688-1723) um das Schicksal der Burg. Im Jahr 1699 ließ er die Michaels Kapelle am Rand der Vorburg wieder herrichten (Siehe auch Erklärung Michaels Kapelle).

Es gab zwar Pläne, die nun militärisch wertlose Burg zu einem Barockschloss umzubauen, aber selbst die "Baulöwen" unter den Kölner Kurfürsten konnten kein Geld dafür locker machen.
 

Der letzte Kölner Kurfürst Max-Franz von Österreich
(Maximilian Franz Xaver Joseph Johann Anton de Paula Wenzel von Österreich (* 8. Dezember 1756 in Wien; † 26. Juli 1801 auf Schloss Hetzendorf bei Wien), als österreichischer Erzherzog Maximilian II. Franz, war von 1784 bis 1801 Kurfürst und Erzbischof von Köln und Hochmeister des Deutschen Ordens.)

 
hatte wegen der Mineralquellen ein besonders Interesse auch an der Burg. 1790 entstand während seiner Regierungszeit neben der Anlage des Draitschbrunnen, die Redoute in Godesberg als Vergnügungsgebäude und die danebenliegenden Gästehäuser. In einem optischen Gegensatz zu seiner Bescheidenheit steht die Tatsache, dass er unter extremem Übergewicht litt.
Für die Musikgeschichte hat Max Franz  insofern Bedeutung, als er die Ausbildung Beethovens bei Joseph Haydn ermöglichte.


 

Maximilian Franz von Österreich (links), seine Schwester Marie Antoinette und deren Ehemann König Ludwig XVI. von Frankreich

Im Jahre 1794 begann die Niederlage der Preußen und Östereicher gegen Frankreich. Am 7.10. 1794 besetzten  französische Truppen Godesberg
Die französische Truppen rückten in die linksrheinischen Gebiete des Kurfürstentums Köln ein. Der Kurfürst musste daraufhin über den Rhein fliehen. Da die Franzosen etwas später ebenfalls über den Rhein setzten, war Max Franz gezwungen, immer weiter in das Reich hinein zu fliehen. In der Folgezeit annektierte Frankreich das linke Rheinufer.
Quelle: Wikipedia


Schon am 21. Dezember teile die Militärregierung das eroberte Land in neue Verwaltungsbezirke. Godesberg gehörte zum "Canton rural de Bonn". Im Januar 1798 wurde dies geändert. Godesberg mit seiner Burg wurde Bestandteil des französischen Rhein-Mosel-Departements mit der Hauptstadt Koblenz und lag damit im "Arrondissement Bonn" als Sitz des Unterpräfekten.


1805 wurde die Ruine als kurfürstlicher Besitz von der französischen Verwaltung zum historischen Denkmal erklärt.
Durch den Beschluss des Wiener Kongresses von 1815 kamen die rheinischen Gebiete des Kurstaates Köln unter preußische Verwaltung.



Nicolaus Christian Hohe malte 1840 wie sich damals der Blick von der Godesburg darbot


Die Godesburg um 1845 vor dem Siebengebirge. Ausschnitt einer Lithographie von Carl Schlickum

Die Burg wurde  1891 von Kaiser Wilhelm II. der Gemeinde Godesberg geschenkt.


Im Jahr 1896 wurde links neben  dem Burgzugang im Bereich des früheren Palas ein Restaurant und rechts ein Wohnhaus für den Pächter eingebaut. Außerdem brachte man überall wo es ging Erker und Türmchen, Zinnen und Fachwerk an.


Bild: Hans Finette

Godesburg um 1900
Godesburg um 1900 (links im Hintergrund der Burgfriedhof. Die Landarbeiter befinden sich auf dem späteren Teil des Friedhofs)


Auf dieser am 15.9.1904 verschickten Postkarte erkennt man wie man sich auf dem zerstörten vorderen Burgteil bewegen konnte.

 

In den Jahren 1959 - 1961 wurden die  eingefügten romantischen Einbauten der Burg entfernt.

Die Godesburg vor dem Umbau im Jahr 1959
 (Leider haben die Dias in den Jahren die Qualität verloren)
 

 

 

Nach den Plänen von Prof. G. Böhm wurde in moderner Form ein Hotel und ein Restaurant integriert. 


Ausschnitt Kupferstich von Johann Ziegler nach Lorenz Janscha 1792
 


 

Das gleiche Motiv heute (2010) jedoch von der anderen Seite der Burg zeigt die Präzision des Kupferstiches aus dem Jahre1792. Der Treppenturm ist wegen der Perspektive nicht sichtbar.

Eingang zur Innenburg
(Blick  auf die tiefer liegende Michaels Kapelle)



Der heutige Zugang zum Turm wurde erst im 19. Jahrhundert eingefügt. Durch diesen gelangt man in das frühere Verlies der Burg. Der normale Zugang zum Turm war über Leitern in die zweite Etage. Durch das heute halbzugemauerte sogenannte "Angstloch".

 

2003 wurden abermals die Innenräume der Burg und die Gastronomie-Räume umgebaut und erneuert.

Ab 2005 wurde das Turminnere zu einem kleinen
Godesburg-Museum umgebaut.

Im Juli 2006 wurden an der Aussichtsplattform auf der Turmspitze Orientierungstafeln in allen vier Himmelsrichtungen angebracht.

 

 

 

 


 

     Blick vom Turminneren auf den früheren Zugang.

Ausflugstipp, mehr>>

Bergfriedbesichtigung ist vom 1.4. bis zum 31.10 täglich von 13-18 Uhr möglich.

360° Panorama auf der Godesburg mehr>>
 

 

Zur offiziellen Übergabe der neuen Burgbeleuchtung trafen sich am 1.Juni 2010 Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann und die Stadtmarketing-Vorsitzende Brigitte Grüll mit der Pächterin der Godesburg-Gastronomie sowie Vertretern der Stadtwerke Bonn, der Stadt Bonn sowie der Errichterfirma auf dem Dach des Godesburg-Restaurants. Nun kann die Godesburg pünktlich zum 800. Jubiläum in neuem Glanz erstrahlen.

Foto: Alfred Schmelzeisen



Mittelalterliches Burgfest am 12. und 13. Juni 2010
Die 800-jährige Godesburg war Schauplatz einer Zeitreise ins Mittelalter. Auf der Godesburg tauchte der Besucher direkt ein in einen mittelalterlichen Markt mit Handwerkskunst, Garköchen und Tavernenwirten. Da im Mittelalter ein Markttag auch gleichzeitig ein Festtag bedeutete, sorgen Gaukler, Possenreißer und Musiker auf der Bühne und rund um den Turm der Godesburg für Unterhaltung. Natürlich dürfen auch Ritter nicht fehlen.

Text: Blickpunkt, Foto W.Voigt


Mit dem neuen Aufzug gelangen wir zum Parkplatz unterhalb der Burg,
 von dort aus geht es über die frühere Vorburg zur Michaels Kapelle, weiter

 
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© 2010 www.godesberger-markt.de

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